Gedichte - Neujahr


Gedichte - Neujahr

Sammlung an Gedichten mit Bezug zum Tag - Neujahr für Leserunden und Gedächtniseinheiten.

 

 

Zu Neujahr

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

Wilhelm Busch

 

 

 

 

Das neue Jahr

Das neue Jahr ist angekommen.
Haben wir uns vorgenommen,
Euch zu wünschen in der Zeit
Glück und Fried und Einigkeit.
Soviel Tröpflein in dem Regen,
Soviel Glück und soviel Segen
Soll Euch Gott der Höchste, geben.
Glückseliges neus Jahr!

Zwischen dem Alten
zwischen dem Neuen,
hier uns zu freuen,
schenkt uns das Glück.
Und das Vergangene
heißt mit Vertrauen
vorwärts zu schauen,
schaun zurück.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

Vertrau auf Gott und eigne Kraft
Und nicht auf fremde Mächte;
Wer jeden Tag das Rechte schafft,
Der schafft im Jahr das Rechte.

Es frommt nicht, daß du zagst und klagst:
Wenn rückwärts ohne Reue
Ins alte Jahr du blicken magst,
So zieh mit Mut ins neue.

Friedrich Wilhelm Weber

 

 

Neujahrswunsch

Glück und Segen
auf allen Wegen!
Frieden im Haus
jahrein, jahraus!
In gesunden und in kranken Tagen
Kraft genug, Freud und Leid zu tragen.
Stets im Kasten ein Stücklein Brot,
das geb’ uns Gott

Volksweise

 

 

Neujahrslied

Mit der Freude zieht der Schmerz
traulich durch die Zeiten.
Schwere Stürme, milde Weste,
bange Sorgen, frohe Feste
wandeln sich zur Seiten.

Und wo eine Träne fällt,
blüht auch eine Rose.
Schön gemischt, noch eh wir´s bitten,
ist für Thronen und für Hütten
Schmerz und Lust im Lose.

War's nicht so im alten Jahr?
Wird's im neuen enden?
Sonnen wallen auf und nieder,
Wolken gehn und kommen wieder,
und kein Wunsch wird's wenden.

Gebe denn, der über uns
wägt mit rechter Waage,
jedem Sinn für seine Freuden,
jedem Mut für seine Leiden
in die neuen Tage.

Jedem auf des Lebens Pfad
einen Freund zur Seite,
ein zufriedenes Gemüte
und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite.

Johann Peter Hebel

 

 

 

Jahreswechsel

Wenn hoch vom Turm die Glocken klingen,
In mitternächtlich ernster Stund'
Des Jahres Scheidegruß zu bringen:
Dann lauschen wir, als werd' uns kund,
Was nun der neue Lauf der Horen
Uns Erdenpilgern bieten mag –
Das Jahr ward neuverjüngt geboren
Und festlich grüßt sein erster Tag.

Doch ist vergeblich alles Fragen,
Die Antwort lautet immer gleich:
Propheten sind aus unsern Tagen
Verbannt ins dunkle Sagenreich.
Kein Blick darf in die Werkstatt schweifen,
In der des Menschen Los sich webt,
Kein Arm in das Getriebe greifen,
Das Schicksals-Fäden senkt und hebt!

Das mußten alle wir erfahren
In unsrer Lieben engem Kreis –
Gebrochen müssen wir gewahren
Manch hoffnungsgrüne frisches Reis,
Und wo wir's ahnend kaum vermutet,
Da kam uns Rettung aus der Not,
Indessen dort ein Herz verblutet
Weil ihm sein Liebstes nahm der Tod!

Nur eitel ist das ird'sche Hoffen,
Das sich an äußre Zeichen hält,
Ist nicht in uns ein Himmel offen,
Von dem kein Stern herunterfällt.
Wie sehr auch Sturm und Donner wettert
Und frische Hoffnungssaat zerschlägt
Und alle Rosen uns entblättert,
Wie Staub in alle Winde trägt. –

Ein Himmel, den wir sicher schauen,
Wenn sich der Blick nur aufwärts hebt,
Ein Himmel, den wir selber bauen,
Wenn wir zum höchsten Ziel gestrebt,
Ein Himmel, draus seit Ewigkeiten
Zu uns die Schöpfungsformel spricht,
Die heiligste für alle Zeiten:
Kein Chaos mehr! – es werde Licht!

Kein Chaos mehr – in unserm Leben,
Kein Chaos mehr im Vaterland!
Es werde Licht, – dies unser Streben,
Die Waffe dies in unsrer Hand.
Des Gottesfunkens treue Wächter
An heil'ger Freiheit Hochaltar,
Und Feinde aller Lichtverächter:
So grüßen wir das neue Jahr.

Luise Otto-Peters

 

 

 

 

Neujahrswünsche

Jeder wünscht sich langes Leben,
seine Kisten voller Geld,
Wiesen, Wälder, Äcker, Reben –
Klugheit, Schönheit, Ruhm der Welt,
doch wenn alles würde wahr
was man wünscht zum neuen Jahr,
dann erst wär es um die Welt,
glaubt es, jämmerlich bestellt.

Heinrich Daniel Zschokke

 

 

Freut euch des Herrn, ihr Frommen,
und heißt mit lautem Jubelruf
das junge Jahr willkommen
und preist ihn, der den Frühling schuf!
Seht, wie im Blumenkleide
die Wiese lieblich prangt!
Nur der fühlt wahre Freude,
der Gott von Herzen dankt.
Auf, jeder pflügt und säe und singe froh dazu:
Ehr' sei Gott in der Höhe, auf Erden Fried und Ruh!

Samuel Gottlieb Bürde

 

 

 

 


Jeder Tag im neuen Jahr
hat sein kleines Licht.
Jede Stunde fordert klar:
Mensch tu deine Pflicht!
Halt die Auen offen
dem Glauben, Lieben, Hoffen!
Geht was schief, behalte Mut,
morgen wird es wieder gut!

Unbekannt

 

 

 

 

 

Zum neuen Jahr ein neues Herze,
ein frisches Blatt im Lebensbuch.
Die alte Schuld sei ausgestrichen
und ausgetilgt der alte Fluch.
Zum neuen Jahr ein neues Herze,
ein frisches Blatt im Lebensbuch!
Zum neuen Jahr ein neues Hoffen!
Die Erde wird noch immer wieder grün.
Auch dieser März bringt Lerchenlieder.
Auch dieser Mai bringt Rosen wieder.
Auch dieses Jahr läßt Freuden blühn.
Zum neuen Jahr ein neues Hoffen.
Die Erde wird noch immer grün.

Karl Gerok

 

 

 

 

 

Neujahr

Wenn die Tage des Jahres zu Ende sind,
Dann trägt die heilige Mutter ihr Kind
Hin zu der Menschen Hütten,
Daß allen, die litten und stritten,
Mit dem neuen Jahr und der neuen Zeit
Sei eine alte Gnade geweiht.
Eine Gnad', die auf der Weisheit ruht:
Ein Kind ist glücklich, und Gott ist gut!
Und wer das hört in der Neujahrsnacht
Und im Herzen erwägt und mit gutem Bedacht,
der kann ja fürder nicht irre gehn;
Und seine Augen nach Glück aussehn.

Bleibe im Herzen den Kindern gleich,
Denn ihrer ist das Himmelreich,
Nicht nur der Himmel im Sternenzelt,
Nein, auch der Himmel auf dieser Welt,
In dem die süßesten Früchte stehn
Und die Ströme des Paradieses gehn.
Doch die nach anderem Glücke zogen,
Sind alle betrogen.
Ein Kind ist glücklich und Gott ist gut;
Wenn's einer nur recht begreifen tut,
Der ist der Weiseste, den es gab,
Der lacht sich durchs Leben bis ans Grab.

Paul Keller

 

 

 

 

Neujahr bei Pastors

Mama schöpft aus dem Punschgefäße,
Der Vater lüftet das Gesäße
Und spricht: »Jetzt sind es vier Minuten
Nur mehr bis zwölfe, meine Guten.

Ich weiß, daß ihr mit mir empfindet,
Wie dieses alte Jahr entschwindet,
Und daß ihr Gott in seinen Werken
– Mama, den Punsch noch was verstärken! –

Und daß ihr Gott von Herzen danket,
Auch in der Liebe nimmer wanket,
Weil alles, was uns widerfahren
– Mama, nicht mit dem Arrak sparen! –

Weil, was geschah, und was geschehen,
Ob wir es freilich nicht verstehen,
Doch weise war, durch seine Gnade
– Mama, er schmeckt noch immer fade! –

In diesem Sinne meine Guten,
Es sind jetzt bloß mehr zwei Minuten,
In diesem gläubig frommen Sinne
– Gieß noch mal Rum in die Terrine! –

Wir bitten Gott, daß er uns helfe
Auch ferner – Wie? Es schlägt schon zwölfe?
Dann prosit! Prost an allen Tischen!
– Ich will den Punsch mal selber mischen.«

Ludwig Thoma

 

 

Zum Neujahr
Mit einem Taschenkalender

An tausend Wünsche, federleicht,
Wird sich kein Gott noch Engel kehren,
Ja, wenn es so viel Flüche wären,
Dem Teufel wären sie zu seicht.
Doch wenn ein Freund in Lieb und Treu
Dem andern den Kalender segnet,
So steht ein guter Geist dabei.
Du denkst an mich, was Liebes dir begegnet,
Ob dir's auch ohne das beschieden sei.

Eduard Mörike

 

 

 

Und wieder hier draußen ein neues Jahr -
Was werden die Tage bringen?!
Wird's werden, wie es immer war,
Halb scheitern, halb gelingen?

Wird's fördern das, worauf ich gebaut,
Oder vollends es verderben?
Gleichviel, was es im Kessel braut,
Nur wünsch' ich nicht zu sterben.

Ich möchte noch wieder im Vaterland
Die Gläser klingen lassen
Und wieder noch des Freundes Hand
Im Einverständnis fassen.

Ich möchte noch wirken und schaffen und tun
Und atmen eine Weile,
Denn um im Grabe auszuruhn,
Hat's nimmer Not noch Eile.

Ich möchte leben, bis all dies Glühn
Rückläßt einen leuchtenden Funken
Und nicht vergeht wie die Flamm' im Kamin,
Die eben zu Asche gesunken.

Theodor Fontane

 

 

 

 

 

Mein Neujahrswunsch

Was ich erwünsche vom neuen Jahre?
Daß ich die Wurzel der Kraft mir wahre,
Festzustehen im Grund der Erden,
Nicht zu lockern und morsch zu werden,
Mit den frisch ergrünenden Blättern
Wieder zu trotzen Wind und Wettern,
Mag es ächzen und mag es krachen,
Stark zu rauschen, ruhig zu lachen,
So in Regen wie Sonnenschein
Freunden ein Baum des Lebens zu sein.

Karl Friedrich Henckell

 

 

 

 

Läut' ein, du neues Jahr!

O möchten deine Glockentöne tragen
Des Segens Fülle unter jedes Dach!
Laß sie besänftigen den Sturm der Klagen
Und heiß' sie bannen Leid und Ungemach!
Läut' ein, läut' ein den wundermächt'gen Frieden,
Daß uns die Welt nochmals ein Eden sei!
Läut' ein die Wahrheit, daß uns schon hienieden
Der Hauch des Gottesgeistes mache frei!
Läut' ein die Liebe, laß sie lodernd flammen,
Zu tilgen, was des Menschen unwert ist,
Und führ' in Gnaden alle die zusammen,
Die Haß und Mißgunst trennt zu jeder Frist!
Läut' ein – läut' ein, du neues Jahr!

Margarete Stege

 

 

 

Jahrwende

Am altersgrauen Baum der Zeit
ist eine Blume abgeblüht,
und eine Knospe tut sich auf.

Die Menschheit seufzt in gleicher Fron;
von ihrer müden Stirne fällt
der Schweiß in Tropfen erdenwärts.

Ihr Glaube aber träumt im Licht:
vor ihren Sehnsuchtsblicken schwimmt
das Morgenrot des neuen Tags.

Wie auch die Kette klirrt und drückt,
der Zukunft Sturm zerbricht sie doch, –
und jedes Jahr löst einen Ring.

Und jede Knospe, die erblüht
am altersgrauen Baum der Zeit,
birgt einen Keim der künftigen Frucht.

So grüß ich dich, du neues Jahr;
du junge Knospe tu dich auf,
und blüh' in lichtem Rosenrot!

Des Friedens milder Maienwind
umspiele deinen vollen Schoß,
der Liebe Geist befruchte dich!

Und deine Düfte gieße aus, –
mit Blütenblättern kränze du
der Menschheit tiefgefurchte Stirn.

In des Jahrhunderts Niedergang
sei du ein lichter Zukunftstraum,
sei du ein Gruß der neuen Zeit!

Clara Müller-Jahnke

 

 

 

So werd ich manchmal irre an der Stunde

So werd ich manchmal irre an der Stunde,
An Tag und Jahr, ach, an der ganzen Zeit!
Sie gärt, sie tost, doch mitten auf dem Grunde
Ist es so still, so kalt und zugeschneit!

Habt ihr euch auf ein neues Jahr gefreut,
Die Zukunft preisend mit beredtem Munde?
Es rollt heran und schleudert weit, o weit!
Zurück euch, ihr versinkt im alten Schlunde!

O hätt den Hammer ich des starken Thor,
Auf das Jahrhundert einen Schlag zu führen,
Ich schlüg sein morsches Zeigerblatt zu Trümmern!

Tritt denn kein Uhrenmacher kühn hervor,
Die irre Zeit mit Macht zu regulieren?
Soll sie denn ganz in Staub und Rost verkümmern?

Gottfried Keller

 

 

 

Die Kirchturmglocke
schlägt zwölfmal Bumm.
Das alte Jahr ist wieder mal um.
Die Menschen können sich in den Gassen
vor lauter Übermut gar nicht mehr fassen.
Sie singen und springen umher wie die Flöhe
und werfen die Mützen in die Höhe.
Der Schornsteinfegergeselle Schwerzlich
küßt Konditor Krause recht herzlich.
Der alte Gendarm brummt heute sogar
ein freundliches: Prosit zum neuen Jahr.

Joachim Ringelnatz

 

 

Und nun wollen wir glauben an ein langes Jahr, das uns
gegeben ist, neu, unberührt, voll nie gewesener Dinge, voll
nie getaner Arbeit, voll Aufgabe, Anspruch und Zumutung;
und wollen sehen, daß wirs nehmen lernen, ohne allzuviel
fallen zu lassen von dem, was es zu vergeben hat, an die,
die Notwendiges, Ernstes und Großes von ihm verlangen.
. . . Guten Neujahrsmorgen . . .

Rainer Maria Rilke

 

 

 

Schicksalssterne
Neujahrsgesang

Im silbernen Äther
Was singen die Leuchten,
So urfern von zitternder Sehnsucht erschaut?
Kein Stern hilft den schwankend
Vom Schicksal Gescheuchten,
Sie singen ein Lied nur: »Steht fest und vertraut!

Steht fest wie die Sterne,
Vertraut eurem Kerne,
Seid ruhig dem innersten Wesen getreu!
In wirbelnden Flammen
Rafft zäh euch zusammen,
So bannt ihr das Schicksal – und alles wird neu.

Das Schicksal von oben,
In euch will's erproben
Die göttliche Kraft, die sich glühend bewährt.
Wer gibt sie verloren?
Zieht kühn zu den Toren
Der Tat, ob die Zeit auch mit Schrecken sich jährt!

In Wunden und Schwären
Muß leidend gebären
Die Mutter, die Erde, den Siegfried des Lichts.
Zu Staub die Verräter!
Heil hilfreichem Täter!«
So singen im Äther
Die ewigen Sterne des Weltengedichts.

Karl Friedrich Henckell

 

 

Neujahr

Altes Jahr, du ruhst in Frieden,
Deine Augen sind geschlossen;
Bist von uns so still geschieden
Hin zu himmlischen Genossen,
Und die neuen Jahre kommen,
Werden auch wie du vergehen,
Bis wir alle aufgenommen
Uns im letzten wiedersehen.
Wenn dies letzte angefangen,
Deutet sich dies Neujahrgrüßen,
Denn erkannt ist dies Verlangen,
Nach dem Wiedersehn und Küssen.

Karl Joachim Friedrich Ludwig »Achim« von Arnim

 

 


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